Filialbanken und der große Wandel - was bringt die Zukunft?

Der demografische Wandel und neue technische Errungenschaften verändern den Alltag vieler Menschen in Deutschland. Doch auch für die Bankenbranche stehen bereits seit einigen Jahren starke Veränderungen an. Immer wieder wird davon gesprochen, dass die Filialbanken in ihrer aktuellen Form aussterben. Zahlen der Bundesbank im Bericht auf Bankenverband.de weisen darauf hin, denn zwischen 2004 und 2013 sank die Zahl der Bankfilialen in Deutschland von 47.835 auf 38.225. Doch woran liegt das eigentlich und wie können die Filialbanken in der Zukunft bestehen? Der folgende Artikel soll die Zusammenhänge näher erläutern und aufzeigen, worauf sich Kunden von Filialbanken in den nächsten Jahren einstellen müssen.

Der Trend geht mehr und mehr zum Online-Banking

Während noch vor 10-15 Jahren normale Banktransaktionen wie Überweisungen und Daueraufträge über die Bankfiliale durchgeführt wurden, nutzen mittlerweile immer mehr Bankkunden Online-Banking.

Diese Entwicklung zeigt sehr eindrucksvoll, wie deutlich sich der Anteil der Bankkunden im Online-Banking erhöht hat. Somit werden die Standard-Bankaktivitäten mehr und mehr an den heimischen Bildschirm oder das Smartphone verlagert. Natürlich hat dies zur Folge, dass deutlich weniger Bankfilialen und auch weniger Mitarbeiter benötigt werden. Der Anteil von 49% zeigt zudem, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren noch weiter beschleunigen könnte.

Die Gewinnmargen der Banken sinken - vielfältige Ursachen

Die Gewinnmargen der Banken sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Dies hat unterschiedliche Gründe, die nun etwas genauer skizziert werden:

1. Dauerhaft niedrige Zinsen sorgen für niedrigere Zinsgewinne
Das aktuell sehr niedrige Zinsniveau aufgrund dauerhaft niedriger Leitzinsen kann für die Banken künftig echte Probleme mit sich bringen. Zwar sorgen niedrige Zinsen auf der einen Seite für geringe Zinsaufwendungen, jedoch nutzen Verbraucher die Möglichkeit, durch deutlich günstigere Kreditkonditionen Zinskosten zu sparen. Konnten die Banken in den letzten Jahren noch einen steigenden Zinsüberschuss aufgrund langfristiger Altkredite mit hohen Zinssätzen verbuchen, droht diese Entwicklung nun zu kippen. Der Zinsüberschuss ist laut Bundesbank.devon 92,2 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf 86,3 Milliarden Euro im Jahr 2013 gesunken. Hält diese Entwicklung weiter an, werden die Banken zunehmend unter Druck geraten. Bisher zeichnet sich nämlich noch nicht ab, dass die Finanzinstitute die fehlenden Zinsgewinne wirklich ausreichend durch Provisionsgewinne kompensieren können.

2. Basel III bringt deutlich strenge Eigenkapital-Regeln mit sich
Durch die Regelungen nach Basel III sind Banken künftig verpflichtet, im Verhältnis zu den gewichteten Aktiva deutlich mehr Eigenkapital zu hinterlegen als früher. Diese Maßnahmen wurden als nötig erachtet, um das Finanzsystem sicherer zu machen und somit in Krisenzeiten eine solidere Basis aufbieten zu können. So sind unter anderem folgende Quoten mittels einer Übergangsfrist stufenweise zu erreichen:

Auch wenn sehr viele Banken die neuen Eigenkapitalquoten durchaus erreichen werden, wirkt sich das Ganze negativ auf die Eigenkapitalrendite aus. Ein Rechenbeispiel soll dies verdeutlichen:

Eine Bank vergibt einen Kredit über 10.000 Euro, der innerhalb eines Jahres zurückgezahlt wird und erhält dafür 5,5% Zinsen pro Jahr. Unterlegt sie diesen mit 3% Eigenkapital, ergibt sich folgende Eigenkapitalrendite:

Eigenkapital:

300 Euro

Zinseinnahmen:

550 Euro

Eigenkapitalrendite:

 183,33%

Müssen jedoch bis zu 8% Eigenkapital hinterlegt werden, liegt die Eigenkapitalrendite deutlich niedriger:

Eigenkapital:

800 Euro

Zinseinnahmen:

550 Euro

Eigenkapitalrendite:

 68,75%

 

Da Eigenkapital zudem deutlich teurer in der Refinanzierung ist als Einlagen von Kunden, müssen Banken zudem mit höheren Kosten kalkulieren.

Die Kombination aus niedrigen Zinsen und höheren Eigenkapitalvorschriften stellt die Banken also vor durchaus große Probleme. Da zudem auch immer mehr Kunden auf Produkte wie Online-Girokonten und Online-Kredite setzen, ist das bisherige Geschäftsmodell vieler Finanzinstitute eventuell wirklich nicht zukunftsfähig.

Wie können die Filialbanken sich der Entwicklung anpassen?

Trotz der vermeintlich schlechten Nachrichten für die Bankenbranche lassen sich nach wie vor auch Hoffnungsschimmer ausmachen. Die Präsenz in den Filialen strahlt nämlich durchaus Seriosität aus. Laut einer großen Umfrage zur Bankenzukunft auf Starfinanz.de.de sehen 52% der Befragten die Mitarbeiter in der Filiale als wichtiger Ansprechpartner bei der Klärung individueller Fragen an. Daraus ergäbe sich für die Banken die Möglichkeit, mehr Energie in die Beratung bei komplizierten Finanzierungsangelegenheiten und Fragen der Geldanlage zu investieren. Gerade die komplexen Finanzprodukte werfen trotz der Erklärungen von Online-Anbietern nicht selten Fragen auf. Darüber ergeben sich zudem folgende Möglichkeiten:

  • Durch hohe Sicherheitsstandards beim Online-Banking und den eigenen seriösen Ruf können Filialbanken ebenfalls attraktive Online-Konten mit hochwertigem Service zur Verfügung stellen.
  • Wenn das Zinsgeschäft lahmt, sollte das Vermittlungsgeschäft weiter angekurbelt werden. Genau hier stellt die persönliche Beratung durch einen Kundenbetreuer einen großen Vorteil dar, den die Direktbanken in vielen Fällen nicht vorweisen können.

 

Trotz allem wird es nötig sein, das eigene Filialnetz stark auszudünnen. Nur so lassen sich die Kosten deutlich senken. Die Verminderung der Bankfilialen in den letzten Jahren hat sehr deutlich gezeigt, dass die Banken diesen Weg bereits gehen. Dabei werden jedoch nicht alle Filialen ersatzlos geschlossen, sondern häufig auch in SB-Filialen umgewandelt. Dort können Bankkunden also immer noch Bargeld abheben, Kontoauszüge ausdrucken und Überweisungen am Automaten durchführen. Wie weit das Filialnetz in den nächsten Jahren noch schrumpfen wird, kann letztlich nur die Zeit zeigen.

Fazit

Dass die technische Entwicklung Dinge und Arbeiten überflüssig macht, ist nicht neu. Ob Industrialisierung oder Automatisierung - entsprechende Umwälzungen mussten in der Geschichte schon viele Branchen durchmachen. Durch die wachsende Bedeutung des Internets scheint es nun auch die Bankenbranche zu treffen. Was noch vor 15-20 am Schalter von Bankmitarbeitern erledigt wurde, kann der Kunde heute ganz bequem online selbst erledigen. Ob Überweisungen, Daueraufträge oder Kontoauszüge, alles ist am heimischen Bildschirm unabhängig von Öffnungszeiten schnell nutzbar.

Das anhaltend niedrige Zinsniveau sowie die gestiegenen Eigenkapitalanforderungen durch Basel III tun zudem ihr Übriges, um die Geschäftsaussichten für Banken weiter zu schmälern. Wenn die klassischen Filialbanken überleben möchten, stehen mitunter auch schmerzliche Maßnahmen an. Ein dünneres Filialnetz und eine Konzentration auf die Stärken in der persönlichen Beratung sind die Maßnahmen, die jedoch neue Erfolge bringen könnten. Gerade komplexe Finanzprodukte bedürfen einer persönlichen Betreuung. Sollten die Filialbanken also ihre Stärken richtig einbringen, könnte auch die Zukunft eine erfreuliche Entwicklung mit sich bringen. Dass dies unter Umständen eine Konsolidierung mit sich bringt, dürfte dabei klar sein

Quelle: http://www.finanztreff.de/news/filialbanken-und-der-grosse-wandel---was-bringt-die-zukunft/10829336


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