Bürger sollen Handys besser schützen

Stuttgart - Thorsten Urbanski ist für den deutschen Sicherheitsspezialisten G-Data schon lange im Geschäft, doch das Verhalten der Verbraucher lässt ihn noch immer staunen. Fast jeder besitze heute ein Smartphone, sagt er. „Doch viele denken noch immer, dass es sich dabei nicht um einen vollwertigen Computer handelt. Dabei befinden sich häufig noch persönlichere Daten als auf einem PC darauf.“ Doch dass ein Smartphone so gut geschützt werden müsse wie ein PC, sei bei vielen noch nicht angekommen. „Das ist überlebensnotwendig, wenn es um den Schutz von persönlichen Daten geht.“

Smartphones sind in den Fokus von Internetkriminellen gerückt. Rund jeder dritte Deutsche nutzt einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom zufolge ein Smartphone für Bankgeschäfte. Mehr als 90 Prozent der Internetnutzer kaufen online ein, immer häufiger auch von unterwegs. Wenn ein Hacker die Daten abfängt, kann er damit viel Geld verdienen.

Bei den Attacken spielt die sogenannte Phishing-Mail noch immer mit die größte Rolle: Dabei werden Verbraucher aufgefordert, einen Link oder Anhang einer gefälschten E-Mail zu öffnen. Oft soll dann die Kreditkartennummer eingegeben werden, mit denen Betrüger Geld vom Konto abbuchen. Meist wird auch ein Schadprogramm auf den Computer heruntergeladen, mit dem Hacker sämtliche Tastatureingaben mitlesen können.

Zurzeit sind viele gefälschte Mails von Banken und Bezahldiensten im Umlauf wie von Postbank, Sparda-Bank, Targobank, Sparkasse, ING-Diba oder Paypal, heißt es bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Oder es melden sich angebliche Mitarbeiter von Kunden- oder Paketdiensten. „Phishing-Mails sind ein Dauerthema“, sagt Karin Thomas-Martin. Die gefälschten Nachrichten seien immer besser gestaltet und oft kaum von einer echten Mail zu unterscheiden. Sie empfiehlt, im Zweifel keine heiklen Daten wie die Kontoverbindung oder Passwörter einzugeben und bei der betreffenden Bank direkt nachzufragen. „Wer den Anhang einer verdächtigen Mail geöffnet hat, sollte aber das Betriebssystem seines Computers neu installieren.“

spoods.de

Oft ahnen die Nutzer aber gar nicht, dass hinter einer Mail ein Gauner steckt. Denn immer häufiger erhalten sie Nachrichten, die Bezug auf ihre Hobbys nehmen oder scheinbar von Freunden selbst stammen. Dann sind Hacker zum Beispiel in soziale Netzwerke wie Facebook eingedrungen und haben Informationen aus den persönlichen Bereichen gefischt, um sich damit zuerst Vertrauen und dann Geld zu ergaunern. Soziale Netzwerke und Internetdienste wie Facebook und Google sind die Top-Phishing-Ziele, heißt es beim russischen Sicherheitsspezialisten Kaspersky. So richtete sich von Januar bis Juni 2015 jede zehnte von Kaspersky registrierte Phishing-Attacke gegen Facebook-Nutzer. „Cyberkriminelle locken ihr Opfer auf Phishing-Seiten, die zum Beispiel eine täuschend echt wirkende Facebook-Seite nachahmen und illegal Account-Zugangsdaten abfragen“, sagt der Leiter des deutschen Forschungsteams Christian Funk. „Smartphone- und Tablet-Besitzer sind besonders gefährdet, weil mobile Browser oft die Adresszeile nicht anzeigen, mit der sich die Internetadresse kontrollieren lässt.“

Auch Erpressung gehört zum Betrüger-Repertoire

Ist dann das Smartphone gekapert, lassen sich zum Beispiel unbemerkt Premium-SMS an teure Dienste verschicken – die Kunden merken den Betrug erst, wenn sie ihre Telefonrechnung sehen. Mit den Zugangsdaten der Bank kann viel Geld abgebucht werden. Oder Bilder können unbemerkt mit der Handykamera aufgenommen werden, mit denen die Hacker die Nutzer erpressen.

„Im Internet verkaufen die Betrüger einfach alles, um es zu Geld zu machen“, warnt Thorsten Urbanski. „Es ist ein Ammenmärchen, wenn jemand glaubt, dass er nichts zu verbergen hat.“

Quellen:

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.hacker-angriffe-boomen-buerger-sollen-handys-besser-schuetzen.72415e28-98d2-45cf-8748-bfebc702c35b.html


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